Ein Interview zur Tagung des International Council in Indien

Triratna weltweit: Über 2200 Ordensmitglieder und zigtausende Mitras auf allen Kontinenten, die über ein
Dutzend verschiedene Sprachen sprechen… An die 130 Zentren und nochmal so viele lokale Triratna-
Gruppen, die eigenverantwortlich und in organisatorischer, juristischer sowie finanzieller Hinsicht
unabhängig voneinander arbeiten… Ordinationsprozesse in unterschiedlichen Sprachen und völlig
verschiedenem kulturellen Umfeld, die doch alle auf den Eintritt in denselben, geeinten Triratna-Orden
vorbereiten… Wie hängt das alles zusammen?

Am Anfang waren da nur Sangharakshita und ein paar Handvoll Schülerinnen und Schüler, die sich gut
kannten und in einen Raum passten, wenn sie miteinander reden wollten. Je größer und je internationaler
die Gemeinschaft wurde, desto mehr Strukturen und Systeme entwickelten sich, um Konsultation,
Kooperation und wirksames Arbeiten zu ermöglichen1. Das „International Council“ ist eine der neueren
dieser Strukturen. 2011 gegründet, bringt es um die 50 Verantwortungsträger aus allen Teilen der Triratna-
Welt zusammen. Wir führten ein Interview mit Jnanacandra, die gerade frisch vom 5. Treffen des
International Councils im Februar 2018 zurückgekehrt ist.

Du bist gerade erst aus Indien zurück. Wo warst du und warum?

Ich arbeite schon seit einigen Jahren im „International Council“, als Vertreterin der Triratna-Zentren in
Kontinentaleuropa. Das Council trifft sich ca. alle anderthalb Jahre und diesmal waren wir im Saddhamma
Pradeep Retreatzentrum in Bhaja, in Indien. Das ist etwa zwei Stunden außerhalb von Poona, auf dem
Land, zwischen Palmen und Mangobäumen, wirklich schön und friedlich.

War das ein reines Arbeitstreffen oder wie stellt man sich das vor?

Ja, primär ist das natürlich eine Konferenz, und wir haben wirklich fleißig gearbeitet. Weil sich das Council nur in größeren Abständen trifft, kommen viele Themen zusammen, die wir besprechen und für die wir uns Zeit nehmen wollen. Aber zugleich ist es natürlich ein Ordenstreffen, und das heißt, dass unsere Praxis der gemeinsame Nährboden ist, aus dem alles andere wächst. Wir haben morgens meditiert und den Tag mit sehr inspirierendem Dharmastudium in Kleingruppen begonnen und abends gab es manchmal Puja. Dazwischen wurde intensiv gearbeitet.

[1] Wer einen genaueren Überblick über diese Strukturen gewinnen möchte, siehe die 2 angehängten pdfs unter:
https://thebuddhistcentre.com/adhisthana-kula/reviewing-how-preceptors-college-works

Was für Leute trifft man denn so im International Council?

Der Sinn dieses Gremiums ist, Menschen aus den verschiedenen geografischen Regionen der Triratna-Welt
und aus allen Verantwortungsbereichen zusammenzuführen, das heißt aus dem College, dem Orden und
den Zentren2. Manchmal machen Leute sich das nicht so klar, aber der Orden geht über das, was in
unseren Zentren passiert, weit hinaus – es gibt engagierte Ordensmitglieder, die nicht unbedingt in einem
Triratna-Zentrum eingebunden sind. Im International Council kommen Menschen zusammen, die all diese
verschiedenen Blickwinkel mitbringen: den Ordinationsprozess in Indien; die Anliegen von Triratna-
Zentren in Australien oder von Mitras in Mexiko; Themen, die den Orden in England beschäftigen…

Und welchen Blickwinkel bringst du da ein?

Den der Triratna-Zentren in Kontinentaleuropa. Über die Vorsitzendentreffen, an denen ich zweimal pro
Jahr in Adhisthana teilnehme, stehe ich in gutem Kontakt zu Zentrumsvorsitzenden in ganz Europa. Aber
die Zentren außerhalb Englands haben nochmal besondere Herausforderungen im Vergleich zu denen in
England – wegen der unterschiedlichen Sprachen können wir uns nicht auf Dharmavermittlung
beschränken, sondern müssen oft überhaupt erstmal die Mittel und Prozesse dafür erschaffen:
Studienmaterialien und Bücher übersetzen, einen eigenen Ordinationsprozess entwickeln, eigene
Retreathäuser gründen usw. In vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Finnland oder Polen gibt es
bislang nur ein einziges Triratna-Zentrum und die wenigen Ordensmitglieder vor Ort müssen alles
gleichzeitig sein: Dharmalehrer, Vorsitzende, Mitrakoordinator, Präzeptorin, Organisator, Webpräsenz-
Entwickler, Übersetzerin usw., das ist sehr herausfordernd.

War das ein Thema, über das ihr im International Council gesprochen habt?

Ja, unter anderem. Wir hatten eine kleine Arbeitsgruppe zu der Frage, wie wir abgelegene Triratna-
Gruppen und unsere „Pioniere“ die sich mutig in Neuland wagen, besser unterstützen könnten. Unser
Zentrum in Sao Paulo, in Brasilien ist zum Beispiel mehr als 6000 km vom nächsten Triratna-Zentrum
entfernt: Wie erhält man unter solchen Bedingungen Inspiration, spirituelle Freundschaft,
Unterstützung? Wie können sich die Menschen dort überhaupt als Teil eines größeren Sangha erleben?

Aber das war nur ein Thema unter vielen. Hauptthemen waren unser Praxissystem (wir arbeiten gerade an einer umfassenden Evaluation unserer Unterrichts- und Praxismethoden, dem sogenannten „Sikkha-Projekt“3); die Frage, wie wir besser mit Konflikten innerhalb des Sangha umgehen können (dazu wird derzeit ein Konfliktschlichtungs-Konzept erarbeitet, und etliche
Menschen bilden sich in Mediationsansätzen fort);

[2[ Genaueres zur Zusammensetzung des International Council findet man hier: http://www.triratnabuddhismus.de/fileadmin/user_upload/pdf/artikel_International_Council_Gruendung_2011.pdf

[3] Mehr dazu: https://thebuddhistcentre.com/adhisthana-kula/sikkha-conversation-dhammamegha-and-dhammarati

Wir haben uns mit der weiteren Verbesserung unserer internationalen Strukturen und
Kommunikationswege befasst; und uns angeschaut, welche Gesellschaftsgruppen derzeit noch nicht den
Weg in unsere Zentren finden und wie wir ihnen dies erleichtern könnten. Und nicht alles war nur ein
Redemarathon – ich fand es einen gelungenen Wechsel zwischen Plenumssitzungen, Kleingruppenarbeit
und auch experimentelleren Dingen: In einem Rollenspiel, in dem verschiedene Mediationsansätze
erprobt wurden, durfte ich mit einem guten Freund aus Dublin einen deftigen Streit vom Zaun brechen.
Wir sind dabei so in Fahrt gekommen, dass sich nachher alle grinsend erkundigten, ob wir noch
miteinander sprechen!

In kleineren Gruppen wurden darüber hinaus noch viele andere Themen besprochen, von der Einheit des
Ordens über Kalyanamitrata und die Verbindung zwischen Triratna in Indien und dem Rest der Welt bis zu
den Chancen und Risiken von Online-Kommunikation. Es war ein sehr konstruktives und konzentriertes
Arbeiten, aber abends brummte uns manchmal der Schädel!

Hat dir das Treffen trotz Schädelbrummen Freude gemacht?

Ja! Ich fand es sehr positiv und befriedigend. Zum einen habe ich die Kontakte mit den anderen
Teilnehmern genossen, manche kenne ich schon seit Jahren, andere waren neu dabei. Es ist etwas ganz
Eigenartiges und Kostbares, wenn man jemanden gerade erst kennengelernt hat und dennoch unglaublich
schnell gegenseitiges Verstehen, Vertrauen und tiefe Offenheit da sind. Wir haben im Orden solch eine
starke gemeinsame Basis. Außerdem war das schon eine besonders beeindruckende Gruppe von
Menschen. Ein wirklich harmonisches, konstruktives Zusammenarbeiten, viel persönliche Reife, einfach
ein hohes Niveau an Praxis, Engagement und Kooperationsfähigkeit auf allen Seiten. Das macht mir
Freude!

Und unsere Triratna-Gemeinschaft liegt mir sehr am Herzen. Unsere Zukunft passiert nicht von selbst.
Manchmal bin ich frustriert, wenn ich von Leuten höre, die sich verächtlich über „diese ganzen Meetings“
äußern, als ob das irgendwelche überflüssige Bürokratie wäre.
In der Nähe des Retreatzentrums befinden sich die Tempelhöhlen von Bhaja und einmal haben wir dort
gemeinsam meditiert. Vor 2000 Jahren lebten Mönche hier in Gemeinschaft und übten den Dharma und
heute leben wir auf der anderen Talseite genauso in Gemeinschaft und üben den Dharma. Das hat mich
berührt. Ebenso wie diese Mönche generationenlang geschuftet haben, um den Tempel aus dem soliden
Fels herauszuhauen, so arbeiten wir in solchen Gremien daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen,
dass unsere Gemeinschaft wachsen kann und dabei Tiefe und Einheit bewahrt. Ich habe in meinem
Dharmaleben unglaublich viel bekommen, und ich möchte mein Bestes tun, um es auch künftigen
Generationen weiterzugeben.

Hier das Interview mit Kulanandi als Audiodatei

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